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Hach ja, unsere Alltagsdrogen.


I am aiming for you. (Bildquelle: Morguefile)

Gerade noch stelle ich beim Ausfüllen des Global Drug Survey 2016 fest, dass ich die Finger tunlichst von Rotwein lassen sollte, und wundere mich, warum es so schwierig ist, von einigen Leuten Bilder ohne Zigarette zu finden, da kommt aus Lettland die Nachricht herein, dass Energy-Drinks der eigentliche Feind der Volksgesundheit sind und für Minderjährige verboten gehören. Grund: Das mehr als „empfohlene“ Koffein, dass die lieben kleinen zu sich nehmen, stammt aus den benannten Gesundheitskillern: Verdacht auf Verursachung von Herzrhythmusstörungen, Nierenproblemen und Krämpfen. Verdacht.
Folgt man dieser Logik, wäre es auch empfehlenswert, Mordverdächtigen die Haupthand zu amputieren. Mag sehr drastisch klingen, aber immerhin haben die potentiell auch etwas viel schlimmeres angestellt.
Und man kann ja auch nicht den Eltern zumuten, sich mit ihren Kindern und der Aufgabe, diese auf ein eigenverantwortliches und dabei einigermaßen nicht-selbstzerstörerisches Leben vorzubereiten, zu beschäftigen. Denn man höre und staune, was die EU herausgefunden hat:

[In einer] Studie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) … hatten Wissenschaftler untersucht, wie viel Koffein Jugendliche zu sich nehmen. Ein Ergebnis: Jugendliche in fünf von 13 untersuchten EU-Mitgliedsstaaten nehmen mehr Koffein zu sich als empfohlen. Ein Grund dafür sind Energy Drinks. Der Studie zufolge sind Jugendliche zwischen zehn und 18 Jahren die Hauptkonsumenten von Energy Drinks. 41 Prozent von ihnen würden sie trinken, um beim Sport mehr leisten zu können oder um sie mit Alkohol zu mischen.

Was für eine interessante Zusammenstellung – Mal davon abgesehen, dass die „empfohlenen“ Dosen von nahezu allem regelmäßig weit unter dem liegen, womit ein gesunder menschlicher Körper unproblematisch zurecht kommt. Das betrifft nicht nur Alkohol, sondern auch Zucker und redioaktive Strahlung, da würde mich das selbe Muster bei Koffein nicht wundern. Aber dann noch:
Sport und Alkohol. Das fällt mir sonst nur zu Fußball ein, betrifft dann aber nicht die Spieler, sondern die Hansa-Fans, die sich irgendwie das letzte Ergebnis schöntrinken müssen und anschließend die Innenstadt unsicher machen. Trotz diesem nachweisbaren Zusammenhang zwichen Fußball und temporär stark verminderter Lebensqualität in Rostock, wird Fußball nicht verboten.
Sollte er auch nicht.
Wie Väterchen Staat generell seine Bürger und -innen mit all den Verhaltens- und Handlungserwartungen seinerseits in Ruhe lassen sollte, die nicht die Kriminalität betreffen. Und die Erziehung der Jugend denjenigen überlassen sollte, deren „natürliche[s] Recht … und … zuvörderst ihnen obliegende Pflicht“ (Art. 5 Abs. 2 GG) es ist, sich darum zu kümmern. Ersnthaft: Erlternsein stelle ich mir mittlerweile als kafkaesken Albtraum vor.
Warum ich übrigens ausgerechnet das deutsche Grundgesetz zitiere: In Deutschland gibt es nicht nur Forderungen, das selbe zu tun, in der Leserumfrage von ZeitOnline dazu wird diese hirnrissige Idee auch noch von fast 60% der Teilnehmer und -innen unterstützt (hier).

Ernsthaft? Ihr wollt, dass vollkommen Fremde sich um die Erziehung Eurer Kinder kümmern? Ihr wollt das einzige, was die meisten von uns wirklich und wahrhaftig dauerhaft in dieser Welt zum Guten bewegen können, die Leben Eurer direkten Nachkommen, in Fremde Hände legen? Ihr habt irgendwo in Euren Leben nicht die drei bis vier Stunden Zeit, Euch über Alltagsdrogen zu informieren und mit Euren Kindern darüber zu reden? Oder nicht die Disziplin, ihnen einen gesunden Umgang damit einfach vorzuleben?
Was kommt als nächstes? Wollt Ihr sie zum Erwerb der Allgemeinbildung in staatliche Anstalten abschieben? – Oh, Moment…das ist ja hierzulande der Normalfall.

Deutschland, Du und ich haben uns irgendwie auseinandergelebt.

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