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Ja, ich lebe noch, wünsche überdem allen ein gesundes, erfolgreiches und möglichst angenehmes Jahr 2016 (viel schlimmer, als letztes Jahr kann es ja nicht werden) – und…ja. War halt beschäftigt; und sprachlos, und sowieso schon immer der Meinung, dass ich auch die Klappe halten kann, wenn ich nicht weiß, was sagen.

Also fangen wir jetzt mal mit einer Anime-Besprechung an.
Was Anime ist? – In Japan entwickelter Trickfilm. Punkt. An Genres und Qualitäten gibt es da in etwa so viele, wie bei westlichen Real- (Live Action) Filmen. Also alles vom hinterletzten Billig-Porno bis hin zum die Grenze zur Hochkunst vernichtenden emotional, erzähltechnisch und von der Botschaft her alle Klassen schlagenden All-Time-Klassiker.

Warum Anime? – Warum nicht? Ich mache hier das, worauf ich Lust habe (sollte in den letzten paar Artikeln mehr als deutlich genug durchgeschimmert sein).

Und um welchen Anime geht es jetzt? –

Schwarzes Marken

Geteilte Welt, Quelle: Wikipedia

Lasst es mich so ausdrücken: Sobald ich versuche, Japanisch zu sprechen, werde ich bei muttersprachlichen Zuhörern für ebensolche Lachanfälle sorgen (und genau deswegen niemals „nihon“ sagen), wie die Grammatik-Probleme dieses Titels bei mir. Insgesamt ist also alles in Ordnung, beide Sprachen haben so ihre Tücken, die Vielfalt der Welt ist ein nieversiegender Quell der Faszination. (Und wenn alle sich zum Löffel machen, hat sich niemand zum Löffel gemacht.)

Basis-Daten
Start: Januar 2016
Format: Serie
Studio: Liden Films
Deutsche Lizenz bei: Kazé
FSK-Einstrufung: ab 16 (gewaltbedingt)

Einleitung hatten wir schon, da kann ich mir den biografischen Bezug klemmen und gleich zum Setting kommen:

1983 befand die Welt sich bekannerweise in der Hochzeit des Kalten Krieges. Mal wieder. Was liegt dramaturgisch also näher, als genau da der potentiell zur vollständigen Auslöschung der Menschheit führenden Spaltung der selben eine Alien-Invasion mit dem selben möglichen Ergebnis hinzuzufügen? Lass die Aliens dann noch in Mittelasien landen und sich von dort aus nach westen bewegen, und das Chaos ist perfekt.
Der Clou an der Sache: Die Handlung setzt bei Frankfurt an der Oder (DDR) ein und begleitet eine Spezialeinheit der NVA (Nationale Volksarmee; Streitkräfte der Deutschen Demokratischen Republik (1949 – 1990)), welche kurz darauf ein UNO-Kommando der Bundeswehr im Westen Polens unterstützen soll. Wie gesagt: Perfektes Chaos. Einerseits.

Zum Plot kann ich leider noch nicht viel sagen, weil erst die erste Folge gesehen, aber wie es aussieht, wird all das eine Rolle spielen, was damals auch tatsächlich anwesend war: Warschauer Pakt, NATO, StaSi, Inoffizielle Mitarbeiter (IM), absolut alles. Und soviel ist aus der Vorschau auf die zweite Folge schonmal klar: Die StaSi wird eine sehr große Rolle als Antagonist spielen und nicht geschont werden. Wobei man sagen muss, dass sie selbst in einer schonenden Darstellung, die auch nur ansatzweise irgendetwas mit der Realität zu tun hat, nicht gut wegkäme. Hoffe ich mal, dass sie gut, also als das Böse, das sie war, dargestellt wird. Und vermute, dass sie a lá Jin Roh ihre eigene Macht über den Erfolg im Kampf gegen den eigentlichen Gegner stellen wird.

Natürlich macht mich das Ganze biografisch bedingt ziemlich hibbelig und werde ich ein sehr scharfes Auge auf historische Details richten.

Dazu kann man schonmal so viel sagen:

1. Waffentechnologie: Das Hauptgenre ist nunmal Science-Fiction und wir bekommen es mit Mechas zu tun, entfernt menschenählichen Kampfmaschinen, die von menschlichen Piloten gesteuert werden. Ist halt so, hat seit Gundam Tradition, und kam sogar im Fantasy-Epos The Vision of Escaflowne vor. Und ergibt diesmal bestechend viel Sinn: Die Menschen müssen sich nicht eigenkörperlich mit dem physisch überlegenen Gener auseinandersetzen, können mit dem Schild die erwarteten Nahkampfangriffe abwehren und mit den Geschützen auf alle Entfernungsklassen Treffer landen. Wenn es mal gepasst hat, dann hier, würde ich sagen.

2. Uniformen: Passt nicht. Im Kommando-Stab hätte ich entweder das Blau-Grau oder Ein-Strich-Kein-Strich erwartet, stattdessen gibt es amerikanisch aussehendes Einheits-Olive. Immerhin stimmen die Stiefel. Und die Koppeln. Was die Piloten angeht…naja. Lässt sich mit „technisch bedingt“ rechtfertigen. Im Gegensatz zu diesem einen Ausschnitt dieser einen Soldatin, der bis zum Solarplexus reichte.

3. Frauenquote: Wikipedia weiß mehr als ich, sagt aber hier auch generell erstmal: Nö.
Allerdings herrscht im Anime seit jeher eine sehr starke Gleichberechtigung vor und außerdem… die Pilotenanzüge! Und eventueller Personalmangel (s.u. 6).

4. Höfliche Verhaltensweisen: Auch, wenn sie Deutsche darstellen sollen, verhalten die Charaktere sich in bestimmten Situationen wie Japaner. Vielleicht, weil in Japan niemand die entsprechenden deutschen (bzw.: europäischen) Verhaltensweisen verstehen würde, aber nachdem in diesem einen Trailer Rostock in einer aktuellen Ansicht vorkommt (gleich die erste Einstellung sieht man die östliche Altstatt, im Vordergrund, Marienkirche und Getreidespeicher rechts im mittleren Hintergrund), fällt mir das halt auf.
Ach ja, und niemand in der NVA hätte irgendwann in irgendeinem Zusammenhang irgendetwas von „beten“ gesagt. Unter. Keinen. Umständen.

5. Namen: Okay, wir lassen es in Deutschland spielen, also brauchen wir ein paar typisch deutsche Namen. Fragt sich nur, was typisch deutsch ist, wenn wir davon reden, dass jemand Anfang der 1960er in der DDR geboren wurde? Inghild sicherlich nicht, außer, man hat das Pech, mit sehr dummen oder sehr trotzigen Eltern geschlagen zu sein. Die nebenbei einen Familiennamen der polnischen Aristokratie tragen. Pech kann man auch haben.

6. Kader: Na schön: Dass 15-jährige gezogen werden, lässt sich zur Not mit der Personalknappheit in einem verzweifelten Feldzug erklären. Dass dieselben Leute sich dann im Offiziersrang wiederfinden, nicht. Und es wird auch nicht besser davon, das bei der Luftwaffe grundsätzlich alle Piloten Offiziere sind. Ich meine: Zum Moped-fahren muss man mindestens 16 Jahre als sein. Warum würde man jemand jüngerem eine Kampfmaschien zu steuern geben?
Und dann ist da noch Theodor, der versucht hat, mit seiner Familie in den Westen zu fliehen, und jetzt auf einmal Pilot ist. Ernsthaft?

7. Weltkarte: Eigentlich ist mir bloß aufgefallen, dass Israel nie im Warschauer Pakt war. Der Vergleich vom Trailer mit dem Beitragsbild sagt aber alles notwendige.

Trotz dieser Meckereien (ich meckere gerne auf hohem Niveau) finde ich den Ansatz sehr sehr sehr interessant, da wir eben auch die Realitäten der Polit-Offiziere und Denunzianten („inofizielle Mitarbeiter“ (IM)) abgebildet haben, die sich hier allem gesunden dramaturgischen Menschenverstand nach sehr hart durchsetzen werden (Theodors Vergangenheit als versuchter Flüchtling vs. sein Hauptmann als IM und die Ähnlichkeit der Bundeswehr-Pilotin zu seiner mutmaßlich auf der Flucht erschossenen Schwester), und bin gespannt, was aus diesem ganzen Potential gemacht werden wird.

Könnte das beste Lehrstück zum Sozialismus seit „1984“ werden.
Vor allem, wenn Übersetzung und Synchronisation was taugen.

…und irgendwie erinnert mich all das Gesagte an die momentane globale Situation…Shit happens.

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