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Do widzenia, Niemcy!

Ich möchte meine Nationalität zurück geben. Sie  hat sich als Makulatur erwiesen. Dabei dachte ich doch glatt, ich wäre „integriert“: Kein („ausländischer“) Akzent, Wehrdienst zu leisten versucht, Studium, ordentlich angemeldeter Job. Haben wohl die Schmelztigel-Aspekte von vor 500 und von vor 70 Jahren zugeschlagen (mein Fehler war es diesmal also offensichtlich nichtmal mit dem Zusatz „jung und dumm“ – ich bin noch keine 30).

Einerseits habe ich ja Verständnis: Polnische Nachnamen sind nie leicht in den Griff zu bekommen (insbesondere, wenn sie aus nur fünf Buchstaben bestehen, unter denen sich lediglich ganze zwei Vokale verstecken). Da kann es schon mal passieren, dass die Lautfolge K-U-Labial-Guttural-A zu Verwechslungen führt und der Unterschied zwischen einer Muta (Verschlusslaut) und einem Frikativ (Reibelaut) im phonetischen Durcheinander untergeht, zumal, wenn man noch nicht ganz wach ist (letzten Endes ist das lateinische Alphabet für den lateinischen Sprachraum entworfen worden und nicht für den germanischen; schon gar nicht für den slawischen).

Andererseits möchte ich so einen Schreck wie gestern nicht noch einmal erleben, als mir die Bestätigung einer Wohnungskündigung ins Haus flatterte, die ich niemals abgeschickt habe, woraufhin ich den Rest des Tages damit verbrachte, das Missverständnis aufzuklären um nicht Ende des Monats wegen eines Verwaltungsfehlers obdachlos zu werden. Und vermutlich kann ich noch froh sein, nicht mit Koslowskis und Kowalckas verwechselt zu werden. An das anfängliche Gekicher von Nachbarn darüber, dass irgendein Jahrhunderte entfernter Vorfahr möglicherweise als Grubenauslehrer gearbeitet hat (oder einfach bloß in bäuerlicher Großfamilie lebte – das lässt sich etymologisch hinargumentieren, wie man möchte) kann ich mich gewöhnen. An das andere – eher nicht so (Eure Doppel-P.s, Ck.s und gedehnten U.s könnt Ihr übrigens auch behalten), besten Dank.

Und es gibt weitaus blödsinnigere Gründe, Polnisch zu lernen, als Schreckminuten und – zugegeben – sich beleidigt zu sehen. Außerdem möchte man sich ja auch weiter entwickeln. Und eigene Ignoranzen abbauen.

Πосмотрим. Bis auf Weiteres heißen für mich jedenfalls erstmal alle Schmitt.

Ach ja, vor diesem Hintergrund gefragt: Wie heißt eingentlich das Gegenteil von „Diskriminierung“ (denn Diskriminierung ist ja „Unterscheidung“, und genau die hat ja in diesem Fall nicht stattgefunden)?

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