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Terry Pratchett COA

May your Banner allways fly in the Wind – CC BY-SA 4.0-3.0-2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0-3.0-2.5-2.0-1.0)%5D, via Wikimedia Commons

Ja gut, wir wissen alle, das Morbus Alzheimer idR lethal verläuft. Herrgott, idR verläuft das ganze Leben lethal. Und angesichts der VÖ-Frequenz in letzter Zeit konnte man sich denken, dass da jemand wusste, dass er nicht mehr viel Zeit hatte.

Trotzdem! [Ehrlicherweise könnte an dieser Stelle lediglich ein großer und lauter Schwall auf Klatschianisch stehen, bitte vielmals um Verzeihung.]

Susanne Sto-Helit war mein erstes weibliches Vorbild. Und ihre Umgangsweise mit kindlichen Nachtängsten funktioniert. Hat es jedenfalls bei meiner Schwester. Prädikat: Pädagogisch wertvoll.

Bei Esme Wetterwachs habe ich Pyschologie gelernt, was sehr hilfreich sein kann, wenn man einem Freund in schwierigen Zeiten helfen möchte.

Seine Gnaden Kommandeur Samuel Mumm steht als ziemlich einmaliger Leuchtturm in der Literaturgeschichte dafür*, dass man trotz einer Vergangenheit, auf die man nicht unbedingt stolz ist und innerer Dämonen (ja, das geht gegen Hermann Hesse) ein verdammt guter Mensch sein kann.

Zwerge, Trolle, Vampire, Werwölfe, Golems, Größte – man ist durch seine Geburt auf gar nichts festgenagelt. Außer, man heißt Rincewind.

Vetinary: Staatsmacht ist Staats-Dienst. Und theoretisch ist sogar eine Laissez-Fair-Diktatur möglich. Die Probleme ergeben sich (wie bei Königen) mit der Nachfolgefrage.

Und in der Rundwelt habe ich endlich Cantors multiple Unendlichkeiten (ℵ) verstanden.

Undsowiesoundüberhaupt: Da bekam es jemand auf die Reihe, über Dekaden hinweg Bücher zu schreiben,

  1. die urkomisch sind;
  2. in denen trotz aller Satire Charaktere der Sorte „bräuchten wir in dieser Welt erheblich mehr von“ enthalten sind;
  3. in denen man, ziemlich unabhängig vom Alter, eigentlich immer etwas lernen kann;
  4. die bei aller Fehlerentblößung immer die Liebe zum Leben transportieren;
  5. die in der Schlussuflösung wirklich immer sämtliche Fäden zusammen binden und dabei auch nicht ein einziges Mal auf irgendwelche dummen Zufälle zurück greifen („Heiße Hüpfer“ zählt nicht, weil da eine Zeitschleife hinter steht und Zeitschleifen sind keine Zufälle, sondern ein Pürrierstab im Gehirn);
  6. die vermutlich ein paar hunderttausend Leute dazu gebracht haben, überhaupt mal ein Buch in die Hand zu nehmen;
  7. die sich sowohl für das Grübeln in der Klause, als auch zu Erträglichmachung einer durchschnittlichen Bahnfahrt eignen;
  8. [arrrrgh]**;
  9. die vermutlich vom vorletzten Romantiker stammten***.

Also: Warum hat Sir Pratchett eigentlich nie den Literatur-Nobelpreis bekommen? Zu optimistisch, um als „richtige Kunst“ durchzugehen? Oder zu unlangweilig (ja, das ging gegen den Blechtrommler)? Oder schlicht und ergreifend zu populär? Ach ja, und sollte der ihm jetzt postum verliehen werden, dann gibt das lediglich ein paar Fantastilliarden Miese für Heuchelei an das Komittee – Wer die Lebenden nicht ehrt, ist der Toten nicht wert.

~.~

So sehr die eine den anderen nicht ausstehen konnte, in einem Punkt war Ayn Rand mit Wittgenstein offenbar einig: Wenn ein Mensch stirbt, endet eine Welt. In diesem Fall eine recht flache mit ziemlich viel Tiefgang. Und es ist trauriger, als ich je vermutet hätte, zu wissen, dass es nie wieder Neuigkeiten über Esme und Susanne, Ponder, Ridcully und Rincewind – und natürlich von Groß A’Tuin***** – zu lesen geben wird.
„Terry Pratchetts Bücher machen glücklich“ stand mal im Feuilleton. Nun, im Feuilleton steht viel, wenn der Tag lang und arm an Nachrichten ist. Aber eines steht wohl fest: Terry Pratchetts Bücher haben Terry Pratchett unsterblich gemacht. Wenn auch leider nicht in dem Sinne, in dem es ihm zu wünschen gewesen wäre. Immerhin wird er immer derjenige sein, der ernsthaft einmal den Tod in den Ruhestand abgeschoben hat. Vermutlich auch etwas wert.

Und so erhebe ich mein Glas******

auf den Dichter
den Gelehrten
den Schöpfer
den Wächter
den Magier
den Lehrer
den Ritter
den Heiler

Sir Terence David John Pratchett

Ehre Seinem Namen

When all the world seemed broken
Your worlds survived
Your words will stay forever
Will stay alive///


*) Oder habe ich etwas verschlafen?^

**) Hütet Euch vor dieser Zahl.^

***) Aaaaalso, die in ihrer Immagination vergleichbaren Rowling, St. Baxter und R.C. Wilson leiden vor allem an dann doch zu großen naturalistischen Einschlägen (zu wenig entscheidende Entscheidungen der Protagonisten und zu viel von-den-Umständen-getrieben-sein), und der vermutlich letzte aktive Romantiker hat bislang leider „nur“ zwei Romane herausgebracht, die ich mich zu erwähnen traue. Wobei seine Sachbücher und Essays natürlich auch einiges Wert sind, aber hier geht es gerade um Belletristik.^

*****) Pars pro toto. Wessen Lieblingscharakter hier nicht erwähnt wurde, kann ihn gerne unten ergänzen.^

******) Und wenn ich davon morgen einen Kater haben sollte, nenne ich ihn natürlich Maurice.^

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