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  • Es kann überraschend schwierig sein, die Wahrheit zu sagen. Bzw.: Die Wahrheit so zu sagen, dass sie auch als gesagte Wahrheit verstanden wird.

Den Ratschlag, wenn einem nichts mehr einfalle, solle man sich an die Wahrheit halten, die glaube ohnehin niemand, habe ich neulich einmal ausprobiert und: Er scheint zuzutreffen, wenn die ausgesprochene Wahrheit für die von ihr betroffene Person unangenehm oder unerwartet genug ist. Und das kann bei der Antwort auf die Frage „Willst Du mich veralbern?“ losgehen. Dafür braucht es dann nicht einmal besonderer schauspielerischer Anwendungen. Es scheint einfach niemand für bare Münze zu nehmen, dass jemand so etwas freiwillig zugibt – insofern kann man auch sagen, dass es auf manche Fragen keine als wahr akzeptierten Antwortmöglichkeiten gibt: Wenn „Ja“ ausfällt und „Nein“ mit Begründung für eine Ausrede gehalten wird, hat man einfach die falsche Karte gezogen.
Und dann kann man noch mit den Worten die Wahrheit sagen und mit der Stimme – absichtlich oder unabsichtlich – lügen. Einfach, indem man einen ironischen Tonfall anschlägt. Oder eben, wenn der Tonfall auch nur für ironisch gehalten wird (am leichtesten passiert das mit „ja“ wenn man gerade abgelenkt ist).
Oder die situationsbedingte Fehllüge: Man gebe einen eigenen Fehler zu, der für jemand anderen typisch wäre, und schon kann man in den Verdacht einer nett gemeinten Notlüge geraten.
Nun halte ich mich grundsätzlich an die Wahrheit. Wenn ich mir etwas ausdenken will, kann ich eine Kurzgeschichte schreiben. Aber zu meinem manchmal entnervten Bedauern ist sie zu sagen und sie erfolgreich mitteilen leider nicht immer ganz das selbe. Ich kann wohl von Glück sagen, ein Umfeld zur Verfügung zu haben, in dem wir uns ganz gerne mal vebal katzkbalgern (das hatte ich zuletzt in der Oberstufe und war nicht ganz leicht, mich wieder daran zu gewöhnen), sodass für solcherlei Beobachtungen und Experimente damit Raum ist, ohne das Risiko ernsthaft schlimmen Knatsches zu haben.
Aber trotzdem: Menschliche Wahrnehmung ist manchmal verwirrend. Es könnte alles so viel einfacher sein. Aber vermutlich wäre das dann zu langweilig. Und Langeweile tut weh und macht doof.

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